Ardian fixierte den Ausstiegspreis für centrotherm bei 8,74 Euro je Aktie – dann verdreifachte sich die Auftragsprognose fast
Ardians Vehikel AcquiCo legte im Mai die Abfindung für die centrotherm-Minderheitsaktionäre auf 8,74 Euro je Aktie fest, im Juni beschloss die Hauptversammlung den Squeeze-out. Der heute Morgen vorgelegte Halbjahresbericht liefert Argumente für und gegen diesen Preis: Das EBITDA brach um zwei Drittel ein, die Prognose für den Auftragseingang 2026 wurde von 40 bis 100 Mio. auf 110 bis 160 Mio. Euro erhöht.
Vincent Jiang · 3 min read
centrotherm hat heute Morgen erstmals seit dem 15. Mai wieder vollständige Geschäftszahlen vorgelegt – an jenem Tag hatte der Mehrheitseigner festgelegt, welche Abfindung die Minderheitsaktionäre des Blaubeurener Anlagenbauers für ihren Ausstieg erhalten 2. Die Zahlen lassen sich in beide Richtungen lesen: Das EBITDA sank von 14,7 Mio. auf 4,8 Mio. Euro, und dieselbe Mitteilung bestätigt, dass die Prognose für den Auftragseingang 2026 im August von 40 bis 100 Mio. auf 110 bis 160 Mio. Euro angehoben wurde 1. Den Streit zeigt die Börse: Zwischen dem Kurs von 9,30 Euro und dem Angebot von 8,74 Euro liegen 56 Cent 72.
Erst der Preis, dann die Prognose
Am 17. Dezember 2025 vollzog Ardian Semiconductor, ein Fonds der Beteiligungsgesellschaft Ardian, die rund 196 Mrd. US-Dollar verwaltet oder berät, den Erwerb des 90-Prozent-Anteils von Solarpark Blautal; das Vehikel Centrotherm AcquiCo verlangte noch am selben Tag den Squeeze-out 3. Solarpark Blautal reinvestierte einen Teil des Erlöses und bleibt indirekt mit rund 39,5 Prozent beteiligt – die Gründerfamilie Hartung sitzt also im Lager des Käufers, der den Minderheitsaktionären 8,74 Euro zahlt 32. Am 15. Mai legte AcquiCo die Abfindung auf 8,74 Euro je Aktie fest, und der gerichtlich bestellte Prüfer signalisierte, die Summe als angemessen zu bestätigen; die Aktie stürzte um 24,02 Prozent auf 9,65 Euro 26.
Am 30. Juni beschloss die Hauptversammlung die Übertragung der Aktien, Kleinaktionäre hielten die Abfindung Berichten zufolge für unangemessen 4. Am 10. August hob der Vorstand die Prognose für den Auftragseingang an – mit Verweis auf die Solarnachfrage in Indien 5.
Das Beweisstück für den niedrigeren Preis
Auf dem Papier ist das Halbjahr ein Einbruch. Der Photovoltaik-Umsatz sank von 33,3 Mio. Euro auf 10,4 Mio. Euro, der Halbleiterumsatz gab von 71,2 Mio. Euro auf 67,7 Mio. Euro nach, und der Anteil Asiens am Umsatz fiel von 72 auf 59 Prozent 1. Die Kapazitätsauslastung blieb auf niedrigem Niveau, und der Vorstand hält an einer Gesamtleistung von 90 bis 170 Mio. Euro fest – mit einem EBITDA deutlich unter den 30,6 Mio. Euro von 2025 14. Der Auftragseingang sank von 49,1 Mio. Euro auf 45,9 Mio. Euro; gestiegen ist im August die Prognose, nicht das Auftragsbuch 15.
Das Halbjahr, das für einen niedrigen Preis spricht: EBITDA um zwei Drittel gesunken, Umsatz um ein Viertel
- 1. HJ 2025
- 1. HJ 2026
Data
| 1. HJ 2025 | 1. HJ 2026 | |
|---|---|---|
| Umsatz | €106.4M | €78.9M |
| EBITDA | €14.7M | €4.8M |
| Auftragseingang | €49.1M | €45.9M |
Das Beweisstück für den höheren Preis
Verändert hat sich nach der Festlegung des Preises die Zukunft, nicht die Vergangenheit. Die Anhebung vom August stützt sich auf Photovoltaik-Aufträge aus Indien, wo centrotherm nach eigenen Angaben trotz hohen Wettbewerbsdrucks besser gehalten hat als erwartet 5. Sichtbar ist davon der Auftrag von Celloraa Energy aus dem April über die Ausrüstung einer TOPCon-Solarzellenlinie mit 1,2 GW 4. Ausgerechnet das Segment mit dem Umsatzeinbruch, das Solargeschäft, ist dasjenige, dessen Nachfrage die Anhebung erzwungen hat. Selbst die Untergrenze der neuen Prognose verlangt in der zweiten Jahreshälfte mehr als 64 Mio. Euro an Neuaufträgen – mehr, als im gesamten ersten Halbjahr gebucht wurde 1.
Nach der Festlegung des Preises: Prognose für den Auftragseingang 2026 von 40–100 Mio. Euro auf 110–160 Mio. Euro angehoben
- Laut Geschäftsbericht 2025
- Angehoben am 10. August 2026
- Estimate
Data
| Laut Geschäftsbericht 2025 | Angehoben am 10. August 2026 | |
|---|---|---|
| Untergrenze der Prognose (estimate) | €40M | €110M |
| Obergrenze der Prognose (estimate) | €100M | €160M |
Beide Beweisstücke bleiben bis zur Eintragung im Handelsregister auf dem Tisch
Der Squeeze-out wird wirksam, sobald die Übertragung der Aktien im Handelsregister eingetragen ist. Erst dann gehen die Papiere der Minderheitsaktionäre auf AcquiCo über 2. Bis dahin liegen beide Beweisstücke auf einem Tisch: eine Gewinn- und Verlustrechnung, die im Mai ihren Preis fand, und eine Prognose für den Auftragseingang, die im August umgeschrieben wurde. Der gerichtlich bestellte Prüfer signalisierte, 8,74 Euro seien angemessen – in der Welt des Mai 2. Und seitdem liegt der Kurs bei jeder Notierung, die diese Übersicht zeigt, darüber: 9,65 Euro am Tag des Squeeze-out-Verlangens 6, 9,45 Euro zum Schlusskurs am 5. August 4, 9,30 Euro heute im Tradegate 7.
Im Mai mit 8,74 Euro bepreist: Die Aktie lag seither bei jeder Notierung darüber
Data
| centrotherm-Aktienkurs | |
|---|---|
| 15. Mai 2026 | €9.65 |
| 5. Aug. 2026 | €9.45 |
| 1. Okt. 2026 | €9.3 |
Deepdive
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