Microsofts Rallye ruht auf einem Kunden, der dem Konzern 6 Milliarden Dollar schuldet – und gerade in Amazons Cloud eingezogen ist
Mit einem Azure-Wachstum von 43 Prozent und einer Guidance von 45 Prozent hat Microsoft das beste Quartal seit 1998 abgeschlossen. Der Jahresbericht (10-K) hinter der Rallye beziffert die Abhängigkeit: 24,1 Milliarden Dollar Umsatz mit OpenAI, eine Forderung über 6,0 Milliarden Dollar und ein Auftragsbestand (Backlog), der mit OpenAI um 84 Prozent wuchs – ohne OpenAI um 25 Prozent.
Vincent Jiang · 3 min read
Der Kurs sagt: von Dauer. Der Bericht sagt: ein Kunde.
Die Microsoft-Aktie legte von Juli bis September um 37,7 Prozent zu – das stärkste Quartal seit 1998. Azure hatte sein Wachstum auf 43 Prozent beschleunigt, für das laufende Quartal gibt das Management 45 Prozent vor 1. 53 von 55 Analysten stufen das Papier mit „Kaufen“ oder besser ein; Piper Sandler hob das Kursziel auf 610 Dollar an 1. Zusätzlichen Schwung gaben die neuen dots-Agenten von OpenAI, die an Microsofts Agent 365 andocken können 113. Was die Rallye nicht einpreist, ist der Posten, den Microsoft ausweisen muss, weil die Rechnungslegung seinen größten Kunden als nahestehende Partei (Related Party) einstuft.
Der Vermieter hält die Papiere seines Mieters
Der Geschäftsbericht zum Geschäftsjahr 2026 beziffert die Geschäftsbeziehung in Dollar: 24,1 Milliarden Dollar Umsatz aus den Vereinbarungen mit OpenAI – rund 7 Prozent des Microsoft-Umsatzes von insgesamt 331,8 Milliarden Dollar – sowie 6,0 Milliarden Dollar, die OpenAI Microsoft zum 30. Juni noch schuldete 23. Microsoft hält zudem rund ein Viertel an OpenAI, eine Beteiligung, die die Rekapitalisierung im Oktober mit 135 Milliarden Dollar bewertete 26. Lieferant, Gläubiger und Aktionär – allesamt beim selben Mieter.
Der Großteil des Auftragswachstums stammt von einem einzigen Kunden
Die verbleibenden kommerziellen Leistungsverpflichtungen (Commercial Remaining Performance Obligations) erreichten laut Microsofts eigener Veröffentlichung 678 Milliarden Dollar – ein Anstieg um 84 Prozent 4. Rechnet man OpenAI heraus, wuchs der Auftragsbestand um 25 Prozent, wie Finanzchefin Amy Hood auf der Analystenkonferenz im Juli sagte 5. Die Azure-Zusage über 250 Milliarden Dollar aus dieser Rekapitalisierung erklärt den größten Teil der Differenz 26. Hoods Beruhigung: Der gesamte Zuwachs des Auftragsbestands gegenüber dem Vorquartal stammte von Kunden außerhalb der Frontier-Labore, und rund 200 Milliarden Dollar wandern binnen zwölf Monaten in den Umsatz 5.
Microsofts Auftragsbestand von 678 Milliarden Dollar liegt nun vor Oracle und AWS
Data
| Value | |
|---|---|
| Microsoft | $678B |
| Oracle | $664B |
| AWS | $496B |
Der Mieter hat jetzt auch einen Schlüssel bei Amazon
Die im April überarbeitete Vereinbarung begrenzt OpenAIs Zahlungen aus der Umsatzbeteiligung bis 2030 auf 38 Milliarden Dollar – unter den alten Bedingungen waren bis zu 135 Milliarden Dollar möglich, wie Insider berichten – und beendet die Exklusivität: OpenAI darf seine Kunden künftig von jeder beliebigen Cloud aus bedienen 67. Amazon sagte im Februar zu, bis zu 50 Milliarden Dollar in OpenAI zu investieren; OpenAI wiederum stockte seine Vereinbarung mit AWS um 100 Milliarden Dollar auf 6. Am 29. und 30. September brachten die beiden Unternehmen Bedrock Managed Agents in die Preview – OpenAI-Agenten, die vollständig innerhalb von AWS laufen, ohne dass die Daten die Cloud von Amazon jemals verlassen 89. Oracle, ein dritter Vermieter, hält nach 30 Milliarden Dollar an neuen KI-Verträgen in einem einzigen Quartal einen Auftragsbestand von 664 Milliarden Dollar 10.
Wer zahlt, wenn der Cash-Burn die Kassen überdauert
OpenAI verbrannte in den ersten drei Monaten des Jahres 2026 3,7 Milliarden Dollar und rechnet Berichten zufolge bis 2030 mit einem Cash-Burn von knapp 280 Milliarden Dollar 2. Microsoft baute, als wäre die Miete auf Ewigkeit geschlossen: 115,9 Milliarden Dollar an Investitionen im Geschäftsjahr 2026 – fast doppelt so viel wie im Vorjahr 4.

Microsofts Investitionen pro Quartal haben sich binnen eines Jahres verdoppelt – auf 35,8 Milliarden Dollar
Data
| Investitionen | |
|---|---|
| Q3/24 | $14.9B |
| Q4/24 | $15.8B |
| Q1/25 | $16.7B |
| Q2/25 | $17.1B |
| Q3/25 | $19.4B |
| Q4/25 | $29.9B |
| Q1/26 | $30.9B |
| Q2/26 | $35.8B |
Die andere Seite ist real
Das operative Ergebnis stieg um 21 Prozent, allein die OpenAI-Beteiligung steuerte 4,96 Milliarden Dollar an Nettogewinnen bei, und Wedbush nennt die überarbeitete Vereinbarung vom April einen strukturellen Sieg: IP-Rechte bis 2032 und beschleunigte Zahlungen in naher Zukunft 47. Die Kosten zeigen sich in der Marge: Die Bruttomarge von Microsoft Cloud sank auf 66 Prozent, weil der Ausbau zunehmend zu Buche schlägt 3.
Drei Kennzahlen entscheiden
Zu beobachten sind die OpenAI-Forderung im nächsten Quartalsbericht (10-Q), Azure gemessen an der Guidance von 45 Prozent und die Frage, ob Bedrock Managed Agents allgemein verfügbar wird. Microsoft ist OpenAIs Vermieter, dessen Gläubiger und hält ein Viertel der Anteile – und der Mieter hat sich gerade ein Büro gleich um die Ecke gemietet.
Deepdive
AI-generated from this story and its cited sources. Not investment advice.



