SUSS MicroTec startet in einen 5,4-Milliarden-Markt – doch die GuV sagt etwas anderes
SUSS MicroTec hat sein erstes Waferreinigungssystem am 1. Oktober vorgestellt – für einen angeblich 5,4 Mrd. Euro großen Markt. Doch die Volumenplattformen werden erst 2027 und 2028 ausgeliefert, der Umsatz sank im ersten Halbjahr um 23,9 Prozent, und die EBIT-Marge halbierte sich. Der Rekord-Auftragsbestand, auf den die Bullen bauen, enthält einen einzelnen Auftrag über 115 Mio. Euro; der Härtetest folgt am 5. November.
Vincent Jiang · 3 min read
SUSS MicroTec erzählt die Geschichte vom 5,4-Milliarden-Markt – gestützt auf den Auftragsbestand, nicht auf die GuV
Am 1. Oktober hat SUSS MicroTec GreenTec Solutions und den GT200 auf den Markt gebracht, sein erstes Waferreinigungssystem – und gleich beziffert, was es dort zu holen gibt: einen adressierbaren Markt von rund 5,4 Mrd. Euro, getrieben von Advanced Packaging und der Chip-Nachfrage im KI-Zeitalter. Die Zahl stammt aus einer Studie des Marktforschers Yole, auf die sich SUSS beruft 14. Chef Burkhardt Frick nannte den Schritt einen Meilenstein der Strategie Ambition 2030 14. Der Haken liegt in dem, was tatsächlich ausgeliefert wird: Der GT200 ist eine 200-mm-Anlage für Forschung, Qualifikation und Kleinserienfertigung. Sie baut auf den Technologien TurbulenStrip und CrustBuster auf, die aus dem Photomasken-Geschäft recycelt wurden 145. Die Volumenmaschinen – eine 300-mm-Plattform für die Massenproduktion im Jahr 2027 und ein 200-mm-HVM-Gerät 2028 – existieren bislang nur auf einer Roadmap 14. Yuta Nagai sagt, starkes Kundeninteresse habe die Markteinführung der 300-mm-Plattform vorgezogen; genannt werden aber weder Aufträge noch Stückzahlen noch Kunden 14.
Der Rekord-Auftragsbestand stammt aus einem einzigen Auftrag – nicht aus breiter Nachfrage
Die Gewinn- und Verlustrechnung läuft unterdessen in die entgegengesetzte Richtung. Der Umsatz sank im ersten Halbjahr 2026 um 23,9 Prozent auf 202,8 Mio. Euro, die EBIT-Marge halbierte sich von 16,5 auf 7,0 Prozent – immerhin erholte sie sich von 4,3 Prozent im ersten Quartal auf 9,0 Prozent im zweiten 2. Worauf die Bullen setzen, ist das Auftragsbuch: ein Rekord-Auftragsbestand von 473,7 Mio. Euro zum 30. Juni, ein Auftragseingang von 410 Mio. Euro im Halbjahr, davon 260,7 Mio. Euro allein im zweiten Quartal 2. Doch das Management sagte Analysten, der Rekord beruhe auf einem einzigen Coater-Auftrag über 115 Mio. Euro für einen taiwanesischen Kunden aus dem Advanced Packaging; selbst ohne diesen Auftrag liege das zweite Quartal bei rund 146 Mio. Euro – ein Niveau, das der Chef nicht in die Zukunft fortschreiben wolle, weil „noch einiges passieren kann“ 5. Der Auftragsbestand ist mehr als doppelt so hoch wie der Halbjahresumsatz – für die Aktie heißt es nun: umsetzen statt sammeln.
Ohne den einen Coater-Auftrag über 115 Mio. Euro gleicht das Rekordquartal dem ersten Quartal
Data
| Auftragseingang | |
|---|---|
| Q1 2026 | €149.3M |
| Q2 2026 | €260.7M |
| Q2 2026 ohne Einzelauftrag | €146M |
Die Marge halbiert sich, während das Auftragsbuch auf Rekordniveau steht
- EBIT-Marge
- Estimate
Data
| EBIT-Marge | |
|---|---|
| Geschäftsjahr 2025 (Ist) | 13.1% |
| 1. Halbjahr 2026 (Ist) | 7% |
| Guidance 2026 (Mittelwert) (estimate) | 9% (8–10%) |
Die Analysten setzen aufs Auftragsbuch, nicht auf die GuV
Die Guidance für das Gesamtjahr sieht einen Umsatz von 425 bis 485 Mio. Euro bei einer EBIT-Marge von 8 bis 10 Prozent vor – deutlich unter den 13,1 Prozent des Geschäftsjahrs 2025 23. Rund 240 Mio. Euro des Auftragsbestands sollen im zweiten Halbjahr in Umsatz umgesetzt werden; rund 220 Mio. Euro sind bereits auf 2027 datiert, wobei das Management betont, dass es sich dabei nicht um eine Guidance handelt 5. Jefferies bestätigte am 29. September die Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 109 Euro und warnte, die Schätzungen dürften nur moderat steigen; die drei begleitenden Häuser liegen im Schnitt bei 113 Euro 3. Beide liegen weit über dem damaligen Kurs von 73,25 Euro – wobei es sich dabei um eine Intraday-Notierung von Lang & Schwarz um 12:30 Uhr MESZ am 1. Oktober handelte, nicht um einen offiziellen Schlusskurs; die Lücke zu den Analysten ist also nicht gegen einen festgestellten Kurs gemessen 3. So oder so: Die Häuser setzen aufs Auftragsbuch und auf den adressierbaren Markt für Waferreinigung (TAM) – nicht auf die GuV, die vor ihnen liegt.
Der 5. November ist der Schiedsrichter
Damit wird der 5. November, der Tag der nächsten Quartalszahlen, zum Schiedsrichter 2. Die Entscheidungsregel: Wandelt sich der Auftragsbestand mit der angekündigten EBIT-Marge von 8 bis 10 Prozent oder besser in Umsatz, wird der TAM von 5,4 Mrd. Euro zur echten Option – und der vorgezogene Start der 300-mm-Plattform erhält Nachdruck. Kommt eines von beiden ins Rutschen, zahlen Aktionäre heute für Umsätze, die auf 2027 und 2028 datiert sind – in einem Geschäft, in dem bislang kein namentlich genanntes Gerät für die Massenproduktion verkauft wurde 145.
Deepdive
AI-generated from this story and its cited sources. Not investment advice.



