TE Connectivity verpasst 630 deutschen Arbeitsplätzen das Ablaufdatum 2028 – und steckt 1,4 Mrd. Dollar in die Stromversorgung der KI
Eine am Mittwoch unterschriebene Vereinbarung mit dem Betriebsrat macht das Produktionsende im TE-Werk in Speyer bis Ende 2028 verbindlich – während dasselbe Unternehmen für einen Hersteller von Stromversorgungen für KI-Racks das 5,6-Fache des Umsatzes zahlt. Amphenols bewährte Version dieser Geschichte kommt auf eine Marktkapitalisierung von 194 Milliarden Dollar; die von TE kostet 63 Milliarden Dollar.
Vincent Jiang · 3 min read
TE Connectivity und sein Gesamtbetriebsrat haben am Mittwoch in Speyer einen Interessenausgleich unterzeichnet – jenes Papier, das in Deutschland festlegt, wie ein Werk zugrunde geht. Nach viermonatigen Verhandlungen ist besiegelt, dass die Produktion am Standort Siemensstraße, einem früheren Siemens-Werk, bis Ende 2028 eingestellt wird 12. Rund 630 Arbeitsplätze sind betroffen, die Zahl, die im Mai genannt wurde, als TE den Beschäftigten den Rückzug ankündigte 3. Mathias Franz von der IG Metall, der während der Gespräche auf dem Laufenden gehalten wurde, wollte von einem Erfolg nicht sprechen: „Ob die Belegschaft zufrieden ist, weiß ich nicht“ 2.
1,4 Milliarden Dollar fließen in die andere Richtung
Drei Monate vor der Unterzeichnung, am 22. Juli, einigte sich TE darauf, dem Privatunternehmen Tinicum rund 1,4 Milliarden Dollar zu zahlen – für Astrodyne TDI, einen Hersteller von Stromversorgungen und EMV-Filtern aus New Jersey, dessen Produkte in Halbleiteranlagen, Medizintechnik und Verteidigungssystemen eingesetzt werden 45. Der Preis entspricht damit rund dem 5,6-Fachen des voraussichtlichen Jahresumsatzes von mehr als 250 Millionen Dollar; den Abschluss will TE bis Jahresende vollziehen 4.
Der Markt will die KI-Hälfte von TE
Der Sog ist real. Die Aufträge im Segment Digital Data Networks, das Hochgeschwindigkeits-Kupfer und Strom in die GPU-Racks der Hyperscaler liefert, sind in diesem Jahr um mehr als 70 Prozent gestiegen; im Juni-Quartal legten die DDN-Umsätze um 34 Prozent zu, und laut TE-Rechnung entfällt davon bereits rund ein Drittel auf Strom 7. Der Auftragseingang im Quartal erreichte einen gemeldeten Rekord von 5,7 Milliarden Dollar 8. Der Gesamtumsatz wuchs freilich nur um 13,8 Prozent auf 5,16 Milliarden Dollar, und das bereinigte Ergebnis je Aktie übertraf mit 2,94 Dollar die Konsensschätzung von 2,85 Dollar – gleichwohl gab die Aktie nach den Zahlen um rund 6 Prozent nach 89.
Amphenol beherrscht die Verbindung – vorerst
Amphenol legte im vergangenen Quartal in den KI-nahen Segmenten um fast 90 Prozent zu – TE gesamt um 14 Prozent
Data
| Value | |
|---|---|
| Amphenol IT datacom | 89% |
| Amphenol Communications | 85% |
| Amphenol gesamt | 55% |
| TE Digital Data Networks | 34% |
| Bel Fuse ITDS | 31.1% |
| TE gesamt | 13.8% |
Das Segment Communications Solutions von Amphenol wuchs um 85 Prozent auf 5,38 Milliarden Dollar und entsprach damit 62 Prozent des Konzernumsatzes; getragen wurde es vom IT-Datacom-Geschäft mit einem Plus von 89 Prozent 7. Insgesamt stieg der Umsatz im Juni-Quartal um 55 Prozent auf 8,76 Milliarden Dollar 10. Für diese Version der Geschichte zahlen Anleger: 194 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung stehen 63 Milliarden Dollar bei TE gegenüber 109, bewertet zum 27,5-Fachen des erwarteten Gewinns 7.
Das spricht für das Schlusslicht
Bernstein startete am 23. September die Berichterstattung zu TE mit der Einstufung „Outperform“ und einem Kursziel von 243 Dollar; das sind 11,6 Prozent über dem Schlusskurs vom 1. Oktober 9. Die operative Marge nach GAAP ist über acht ausgewiesene Quartale von 16 auf rund 20 Prozent geklettert 11, die Dividende wurde um 10 Prozent auf 0,78 Dollar je Quartal erhöht 89, und das Management stuft Astrodyne als wachstums- und margenstärkend ein 6. Kein Dokument bringt die Schließung in Speyer mit dem Kaufpreis in Verbindung; die Unterlagen zeigen eine Umschichtung, keine Überweisung.
Die operative Marge von TE kletterte in acht Quartalen von 16 auf rund 20 Prozent
Data
| Operative GAAP-Marge | |
|---|---|
| Q3 '24 | 16% |
| Q4 '24 | 18% |
| Q1 '25 | 18.1% |
| Q2 '25 | 18.9% |
| Q3 '25 | 19.3% |
| Q4 '25 | 20.6% |
| Q1 '26 | 20.1% |
| Q2 '26 | 19% |
Worauf es ankommt
Die Übernahme von Astrodyne wird bis Jahresende abgeschlossen; in Speyer läuft die Produktion noch bis 2028 weiter 41. Der Lackmustest wird sein, ob die 34 Prozent von DDN zu Amphenols 89 Prozent aufschließen – Amphenol legt am 28. Oktober Zahlen vor 10. Für Speyer läuft die Uhr bis Ende 2028. So lange wird der Bewertungsabschlag von TE gegenüber Amphenol womöglich nicht warten.
Deepdive
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