Enels Konzession in São Paulo hängt nun an einem Minister, der in beschlagnahmten Nachrichten eines Bankers auftaucht

Brasiliens Regulierungsbehörde hat Enel São Paulo die letzte verfahrensrechtliche Verteidigungsmöglichkeit verbaut. Das Verfahren kann zum entschädigungslosen Entzug der Konzession führen – ein Verlust, der auf die Aktionäre der Enel SpA fallen würde. Das letzte Wort liegt bei einem Ministerium, dessen Minister in beschlagnahmten Nachrichten eines Bankers auftaucht.

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Vincent JiangVincent Jiang · 3 min read
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Alexandre Silveira spricht an einem Rednerpult im Senat in Brasília, im Hintergrund die brasilianische Flagge
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Alexandre Silveira, Brasiliens Bergbau- und Energieminister: Sein Ministerium hat das letzte Wort darüber, ob Enel seine Konzession in São Paulo verliert

In Brasília schließt sich die letzte Tür

Brasiliens Stromregulierer ANEEL hat am 29. September 2026 die letzte verfahrensrechtliche Verteidigung von Enel São Paulo zurückgewiesen und ein weiteres Mal das unabhängige Sachverständigengutachten abgelehnt, das der Verteilnetzbetreiber beantragt hatte 1. Die Direktion der Behörde stimmt nun endgültig über die Empfehlung der Caducidade ab – den Entzug der Konzession per Dekret, ohne vorherige Entschädigung für die Aktionäre der Enel SpA. Das Gesetz lässt nur eine spätere Entschädigung zu, für nicht amortisierte Investitionen, abzüglich vertraglicher Strafen und Schadensersatz 2. Empfiehlt die Direktion den Entzug, geht die Akte an das Bergbau- und Energieministerium, das das letzte Wort hat 1.

Der Fall reicht von den Blackouts der Jahre 2023 und 2024 bis zu dem Sturm im Dezember 2025, der im Großraum São Paulo mehr als vier Millionen Menschen im Dunkeln sitzen ließ 3. Die ANEEL sagt, entscheidend sei nicht die Heftigkeit des Sturms, sondern die Vorbereitung, die Reaktion und die Fähigkeit des Versorgers, die Stromversorgung wiederherzustellen 1.

Enels Gegenargument: Bei 129 Extremereignissen von 2023 bis 2025 verfehlten 24 der 33 größten Verteilnetzbetreiber Brasiliens die Vorgabe, innerhalb von 24 Stunden 80 Prozent der Verbrauchseinheiten wieder mit Strom zu versorgen 3. Das Unternehmen sagt, es werde seine Investitionen und seinen Vertrag weiter verteidigen 4.

Ein Ministerium im Handy des Bankers

Das letzte Wort liegt beim Ministerium von Alexandre Silveira – und von der Bundespolizei beschlagnahmte Nachrichten von Daniel Vorcaro, dem Banker der Banco Master, rücken den Minister in den Dunstkreis des Bankers 5. In den Jahren 2024 und 2025 trafen sich die beiden mindestens dreimal, zweimal davon im Privathaus des Bankers 5.

Am 20. April 2024, gefragt, ob Silveira eine Fusion von Light und Enel mittragen würde, schrieb Vorcaro, er habe die Nacht zuvor mit dem Minister verbracht, das Thema sei „sehr heiß“ – und „der Weg existiere bereits“ 5. Im Juli desselben Jahres forderte Nelson Tanure, Mitglied im Verwaltungsrat von Light, von ihm ein Treffen mit „deinem Freund A.S.“, um „die ENEL-Operation zu priorisieren und Light damit überlebensfähig zu machen“ 5.

Studioporträt von Daniel Vorcaro im dunklen Anzug und mit gemusterter Krawatte
Daniel Vorcaro, Banker der Banco Master: Seine beschlagnahmten Nachrichten erzählen von Treffen mit Silveira – und von einer Fusion von Light und Enel · Márcio Gustavo Vasconcelos, CC0

Silveira sagt, er habe nie mit Vorcaro Nachrichten ausgetauscht, und weist jedes Fehlverhalten von sich; sein Ministerium habe Light im März 2026 um aktualisierte Angaben zur Aktionärsstruktur gebeten, um die eigene Unparteilichkeit zu wahren 5. Die Nachrichten zeigen Gespräche, kein Geschäft.

Wer zahlt – und wer bereits kreist

Den Schaden würden die Aktionäre von Enel SpA tragen, bei denen seit 2018 rund 26 Milliarden Real in São Paulo stecken 6. Als das Ministerium im April seine Verlängerungsliste im Amtsblatt veröffentlichte, fehlten Enels Verteilnetzbetreiber darauf; der Vertrag von Light kam in derselben Runde durch, was Silveira als technischen Vorgang bezeichnet 75. Der Chef von CPFL Energia sagt, sein Konzern sei ein potenzieller Käufer, falls die Konzession auf den Markt komme 7. Enels eigener Chef sagte im Februar, der Konzern sei „an einem Verkauf nicht interessiert“, beim Kapitaleinsatz hätten die USA Vorrang 8.

São Paulo rechnet mit der Beziehung schon jetzt ab: Bürgermeister Ricardo Nunes macht neben anderen Ursachen Enels Netzanschlüsse dafür verantwortlich, dass die Stadt von 2.600 zugesagten Elektrobussen erst 2.000 hat 9. Die Aktie von Enel SpA schloss am 30. September bei Lang & Schwarz mit 24,05 Euro und notierte nach dem Xetra-Schluss bei 24,11 Euro – 0,25 Prozent im Plus 10.

Jetzt zählen zwei Unterschriften

Am 23. September verpflichtete der brasilianische Rechnungshof das Ministerium und die ANEEL, vor jedem Entzug der Konzession Alternativen zu prüfen und einen 60-tägigen Kontinuitätsplan für die Zeit nach dem Vertragsende 2028 vorzulegen 11. Jetzt zählen zwei Dokumente: die Empfehlung der Direktion, dann das Dekret des Ministeriums. Der Pitch für Enels Nachfolge lag schon zwanzig Monate vor dem Sturm auf dem Handy eines Bankers 5.

Deepdive

AI-generated from this story and its cited sources. Not investment advice.

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