SAP verspricht historischen KI-Schub – doch die eigene Preispolitik zeigt, wo die Deflation zuschlägt
SAP-Chef Christian Klein verspricht, dass KI-Agenten das Wachstum ausgehend von 36,8 Milliarden Euro beschleunigen. Zwei Tage Meldungen zeigen, wer für die Arbeit dazwischen bezahlt wird: IBMs zwölf Terabyte großer Berater-Assistent, ein 2,65-Millionen-Dollar-Startup, das die Ticket-Warteschlange löscht – und SAP, das die Laufzeitumgebung verschenkt.
Richard Tang · 3 min read
Innerhalb von 48 Stunden trafen vier Dokumente ein, die aus entgegengesetzten Richtungen auf denselben Geldhaufen zeigen 1235. SAP-Chef Christian Klein sagte der dpa, KI-Agenten böten dem Konzern die „größte Chance“ für einen neuen Wachstumsschub – ausgehend von 36,8 Milliarden Euro Umsatz und 7,5 Milliarden Euro Nettogewinn im Jahr 2025 1. Einen Tag später hat IBM mitgeteilt, Joule for Consultants von SAP an Berater ausgerollt zu haben, die mehr als 100 Kunden in über 80 Ländern betreuen – zugrunde liegen zwölf Terabyte von SAP kuratierte Inhalte, „die für Lösungen von Drittanbietern nicht verfügbar sind“ 2. Und ein Startup namens Dodge AI sammelte 2,65 Millionen Dollar von Accel und Google ein – ausgerechnet, um die Arbeit abzuschaffen, die die beiden anderen verkaufen 3. Zusammen gelesen zeigen die Dokumente, wo das Geld in der Enterprise-KI tatsächlich steckt: nicht in den Modellen, sondern in der Arbeit drumherum.
Kleins Agenten starten aus dem Aufschwung: FY2025-Umsatz plus 21,6 %, Nettogewinn plus 159 %
- Umsatz
- Nettogewinn
Data
| Umsatz | Nettogewinn | |
|---|---|---|
| FY2021 | $30.63B | $7.31B |
| FY2022 | $31.4B | $3.49B |
| FY2023 | $34.67B | $4.04B |
| FY2024 | $35.6B | $3.25B |
| FY2025 | $43.29B | $8.43B |
Umstritten sind die Beraterstunden, nicht die Softwarelizenzen
Die Wartung von Unternehmensanwendungen läuft über Integratoren wie Accenture, TCS und IBM. Die stellen pro Kunde typischerweise 20 bis 50 Offshore-Mitarbeiter ab, die Störungen und Änderungsanfragen bearbeiten 3. Kleins Agenten brauchen jemanden, der sie in die Geschäftsprozesse einbindet. IBMs Joule for Consultants soll genau diese Leute schneller und abrechenbar machen – gestützt auf eine Wissensbasis, die nur SAP liefern kann 2. Dodge setzt auf das Gegenteil: Agenten, die Tickets lösen, das Customizing dokumentieren und CIOs ermöglichen, „Stellen oder Outsourcing-Verträge“ abzubauen 3. Dodges Behauptung eines jährlichen Wartungsmarkts von 600 Milliarden US-Dollar liegt weit über den Schätzungen Dritter für den ausgelagerten Teil dieser Arbeit 4.
Dodge AI sieht einen Wartungsmarkt von 600 Milliarden US-Dollar – weit über den Schätzungen Dritter
Data
| Value | |
|---|---|
| Dodge AI (eigene Angabe) | $600B |
| App-Outsourcing, Mordor 2025 | $131B |
| App-Management-Services, Spherical 2025 | $50.6B |
| AMS, Verified Market Reports 2024 | $15.4B |
SAPs eigene Preispolitik zeigt: Die Deflation ist real
Genau hier liegt das Indiz. SAP verschenkt die Werkzeuge, mit denen sich die abrechenbaren Stunden im eigenen Ökosystem automatisieren lassen: Die Laufzeitumgebung von Joule Studio ist für Kunden und Partner bis Oktober 2026 kostenlos, und SAP-Ingenieure tragen zu NVIDIAs Open-Source-Laufzeitumgebung OpenShell für auditierbare Agenten bei 5. Klein besteht darauf, dass in kritischen Bereichen immer ein Mensch verantwortlich bleibt – und dass die schrittweise Übertragung von „Verantwortung“ auf Agenten die Wachstumsgeschichte ist 1. Ein Unternehmen, das für Beschleunigung mehr Geld verlangt, macht normalerweise weder seine Laufzeitumgebung als Open Source frei noch verschenkt es das Studio. SAPs eigene Preispolitik legt nahe: Der Konzern weiß, dass die Etablierten bei der Migrations- und Wartungsarbeit angegriffen werden – und rüstet die Kunden, damit sie den Weg von ECC in die Cloud abkürzen können, bevor gut finanzierte Rivalen sich den Wartungsmarkt sichern: Conduct hat eine Series-A-Runde über 60 Millionen US-Dollar eingesammelt, an der sich SAP selbst beteiligt hat; Tessera Labs hat 60 Millionen Dollar unter Federführung von Andreessen Horowitz eingeholt; und der ECC-Support von SAP endet 2027, kostenpflichtige Verlängerungen gibt es nur bis 2030 48.
Was das für Anleger bedeutet
Wandeln agentengestützte Migrationen die ECC-Zögerer zügig in RISE-Cloud-Umsatz um, ist die Gratis-Preispolitik aufgegangen, und SAPs Beschleunigung greift. Frisst die Agenten-Deflation dagegen erst die Stunden im Ökosystem, bevor sie SAPs Umsatzzeile erreicht, wächst die Basis von 36,8 Milliarden Euro langsamer, als Klein verspricht – und der Margenpool rund um diese Basis schrumpft 1. Über den Zeitplan ist der Markt bereits geteilter Meinung: Jefferies hat sein Kursziel für SAP auf 220 Euro angehoben, JPMorgan bleibt mit „Neutral“ und einem Kursziel von 175 Euro dabei und warnt, dass der Ertrag erst über einen längeren Zeitraum anfällt 7. Behalten Sie die SAP-Personalzahlen der Integratoren und die Kundenlogos börsennotierter Unternehmen bei Dodge im Blick: Das zweite Indiz kommt vor dem ersten. Die Leistungsfähigkeit ist real; die offene Frage lautet, wer sie verbucht.
Deepdive
AI-generated from this story and its cited sources. Not investment advice.



