Siemens Energy verkauft 1,7 GW mobile Gaskraftwerke – während Regulierer an der KI-Last zweifeln, die sie speisen sollen
Siemens Energy liefert ab 2027 insgesamt 119 Gasturbinenkerne mit mehr als 1,7 GW Leistung für die mobilen Kraftwerkspakete von Dynamis – bestimmt für US-Rechenzentren und die Industrie. Verkauft wird Geschwindigkeit: Installation nach Zeitplänen, an die Versorger kaum heranreichen. Im selben Monat handelten Regulierer an zwei Fronten, um die Kosten der KI-Bedarfsprognosen von den Stromkunden fernzuhalten.
Vincent Jiang · 3 min read
1,7 GW mobile Gaskraftwerke – erste Einheiten 2027
Siemens Energy will 119 Gasturbinenkerne vom Typ SGT-400 in seinem Werk im britischen Lincoln fertigen – jeder mit rund 15 MW, zusammen mehr als 1,7 GW – und sie über mehrere Jahre an Dynamis Power Solutions aus Houston liefern; die erste Tranche kommt 2027 1. Die Kerne kommen in den DT18 von Dynamis, ein „hypermobiles“ Paket, das bei Rechenzentren, auf Ölfeldern und in Fabriken geparkt werden soll – verkauft mit Aufstellzeiten, die Versorger so kaum erreichen 1. Zum Preis machten die Unternehmen keine Angaben 1.
Was der Deal verkauft, ist Geschwindigkeit, kein Weg an der Regulierung vorbei. Die Ankündigung preist Mobilität und schnelle Installation; von Genehmigungen, Brennstoffversorgung oder Netzanschluss ist darin nicht die Rede – das bleibt Aufgabe des Kunden 1.

Dynamis erklärt, das Unternehmen halte bereits rund 2 GW Leistung in solchen Paketen; im dritten Quartal 2025 hatte es 25 Gasturbinen von Baker Hughes mit zusammen 1,3 GW gebucht 1. Reuters berichtete am 29. September, dass der Run auf kleine Gasturbinen die Kosten für Rechenzentren voraussichtlich beeinflussen wird 2.
Rekordaufträge, ein Aktienrückkauf – und der schwindende Anteil der Siemens AG
Das im Juni endende Quartal war für Siemens Energy ein Rekordquartal: Auftragseingang von 17,9 Mrd. Euro und Umsatz von 11,4 Mrd. Euro 4, ein Ergebnis vor Sondereffekten von 1,62 Mrd. Euro nach 497 Mio. Euro im Vorjahresquartal und ein Auftragsbestand von 162 Mrd. Euro 5 – auf jeden Euro Umsatz kamen 1,57 Euro an Neuaufträgen. Am 30. September bestätigte der Konzern seine Jahresprognose; die Marge steuert auf das obere Ende der Spanne von 10 bis 12 Prozent zu 3.
Wenige Tage zuvor hatte ein Konsortium aus Siemens Energy und Aecon einen Auftrag über 1,3 Mrd. kanadische Dollar erhalten: Im Kernkraftwerk Pickering in der kanadischen Provinz Ontario sollen die Turbogeneratoren ausgetauscht werden, die Umsetzung ist ab Januar 2027 vorgesehen – vorbehaltlich der behördlichen Genehmigung 67. Hinter den Aufträgen stehen eine Tranche des Aktienrückkaufs über 2 Mrd. Euro 3 und ein Eintrag im Aktienregister, den die Siemens AG auf 4,98 % zurückgefahren hat – von 35,1 % bei der Abspaltung im Jahr 2020 8. Die Aktie schloss am Mittwoch bei 142,42 Euro, 27 % unter ihrem 52-Wochenhoch; die Zahlen für das Gesamtjahr und die Ziele bis 2030 folgen am 11. November 3.
Die seit Mitte 2025 von Dynamis gebuchte mobile Gasleistung lässt das von North Carolina abgelehnte Kraftwerk klein aussehen
Data
| Value | |
|---|---|
| Siemens Energy, 119 Gasturbinenkerne (2026) | 1.7 GW |
| Baker Hughes, 25 Turbinen (2025) | 1.3 GW |
| Duke Smith CT, abgelehnt | 0.26 GW |
Zwei Regulierer beziffern soeben den Zweifel
Am 18. September verweigerte die North Carolina Utilities Commission Duke Energy die Genehmigung für eine Turbine mit 255 MW und einem Preis von 584 Mio. US-Dollar. Der erwartete Lastanstieg, von dem laut Aktenlage der Kommission rund 70 % auf Rechenzentren entfallen, sei „zu diesem Zeitpunkt nicht zuverlässig genug, als dass die Kommission handeln könnte“, heißt es in der Begründung 910. Die Interessenvertretung der Stromkunden hatte das Kraftwerk noch befürwortet; ihr Ingenieur sagte in der Anhörung aus, der Bundesstaat sitze – „mangels eines besseren Wortes“ – „an dieser Ressource fest“. Die Kommission lehnte trotzdem ab, und als frühester Inbetriebnahmetermin stand 2030 in den Akten 9.
Am selben Tag, an dem der Deal mit Dynamis öffentlich wurde, setzte die US-Energieraufsichtsbehörde FERC die Ersatzbeschaffung („Backstop Procurement“) von PJM für fünf Monate aus und wies den Netzbetreiber an, die Kosten dieser Beschaffung von Großverbrauchern wie Rechenzentren tragen zu lassen – in einer Region, der es an mehr als 6.800 MW fehlt 11. Außerdem verlangte die FERC von PJM, bei der Verteilung dieser Kosten aktuellere Lastprognosen zugrunde zu legen 11.
Wer trägt das Risiko, wenn die KI-Last auf sich warten lässt
Die Wette ist klar. Kommt die KI-Last wie geplant, kaufen die Kunden von Dynamis Strom, der 2027 bereits fließt – während die frühesten Inbetriebnahmetermine von Netzkraftwerken bis 2030 reichen 9. Kommt sie später, trifft der Verlust den, der 1,7 GW mobiler Gasleistung finanziert hat – nicht die Stromkunden in North Carolina. Ein Versorger braucht dafür eine Genehmigung und eine geprüfte Prognose; ein Anbieter „hypermobiler“ Kraftwerkspakete braucht nur einen Kunden mit Scheckbuch.
Deepdive
AI-generated from this story and its cited sources. Not investment advice.



