Klage in Delaware: Symbotic-Spitze soll Versagen eines Auftragnehmers hinter dem Walmart-Auftragsbestand vertuscht haben

Verzögerungen und Kostenüberschreitungen eines Auftragnehmers so lange vertuscht, bis eine Bilanzkorrektur die Aktie fallen ließ: Das ist der Vorwurf einer Klage gegen die Führungsspitze von Symbotic vor dem Court of Chancery im US-Bundesstaat Delaware, über die am Abend des 9. Oktober berichtet wurde. In Walmarts Lagern steht die Rechnung längst an – monatliche Stromkosten von mehr als 800.000 Dollar in Spitzenmonaten, verpasste Automatisierungsziele im Januar.

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Vincent JiangVincent Jiang · 4 min read
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Rick Cohen, Chef von Symbotic, in einem Firmenporträt
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Symbotic-Chef Rick Cohen im Firmenporträt. Eine Klage vor dem Court of Chancery in Delaware richtet sich gegen die Führungsspitze des Unternehmens – es geht darum, was Anlegern über Verzögerungen bei den Installationen gesagt wurde.

Aus dem operativen Problem wird ein Offenlegungsproblem

Ein Aktionär hat am Abend des 9. Oktober die Führungsspitze von Symbotic+1.24% — Symbotic, up 1.24 percent today vor dem Delaware Court of Chancery verklagt. Er wirft den Managern vor, Verzögerungen und Kostenüberschreitungen eines Auftragnehmers vertuscht zu haben – bis das Unternehmen seine Abschlusszahlen korrigieren musste und die Aktie fiel 1. Das Fallverzeichnis des Gerichts nennt neben Symbotic auch Fluor Corp. 1; eine parallele Wertpapier-Sammelklage legt dar, dass Symbotics wichtigster Outsourcing-Partner für Engineering, Beschaffung und Bau unter erheblichen operativen Problemen litt 2.

Die Spur lässt sich in öffentlichen Dokumenten nachvollziehen. Im November 2024 erklärte Symbotic auf Empfehlung des Prüfungsausschusses, auf die ersten drei Quartalsberichte des Geschäftsjahres 2024 sei nicht mehr Verlass: Kosten waren als Aufwand verbucht worden, bevor die Meilensteine erreicht waren – das beschleunigte den Umsatz. Hinzu kamen Fehler im Zusammenhang mit „Kostenüberschreitungen bei bestimmten Installationen, die nicht in Rechnung gestellt werden können“ 3.

Symbotic-Chef Rick Cohen sagte im Februar 2024 in der Telefonkonferenz zum Quartalsergebnis: „Wir können schneller, sehr viel schneller.“ Im Februar 2025 teilte das Unternehmen mit, die Installationen würden „weiterhin im Schnitt 24 Monate“ dauern 24. Im Juli 2026 ließ die Vorsitzende Richterin Denise Casper vom Bundesgericht in Massachusetts die Betrugsklagen zu. Sie hielt die Vorwürfe für ausreichend, um eine starke Vermutung von Betrugsabsicht (Scienter) zu stützen; ein Abweisungsbeschluss prüft die Plausibilität, nicht die Wahrheit 24.

Die Automatisierung erhöhte Walmarts Kosten, bevor sie sie senkte

In den Lagern lässt sich der zähe Kampf in Zahlen fassen. Die monatliche Stromrechnung der automatisierten Lebensmittellager von Walmart+0.65% — Walmart, up 0.65 percent today kann in Spitzenmonaten 800.000 Dollar oder mehr betragen – zu Zeiten, in denen die Standorte noch überwiegend manuell liefen, waren es rund 250.000 Dollar. Und die Ingenieure, die die Roboter am Laufen halten, kosten mehr als die Arbeiter, die sie ersetzen 5. Kroger nahm im vergangenen Herbst eine Abschreibung von 2,6 Milliarden Dollar vor, um drei automatisierte Fulfillment-Center zu schließen, die den finanziellen Erwartungen nicht entsprachen 5.

Staub legt die Roboter von Symbotic lahm; Roboterarme bekamen große gefrorene Truthähne erst in den Griff, als Walmart die Versandkartons verstärken ließ; und Riesensäcke mit Hundefutter werden weiterhin von Hand bewegt 5. Mehr als 140.000 Lagerarbeiter halten die Gebäude am Laufen 5.

Roboterarme bewegen Kartons auf einem Förderband an einer automatisierten Kommissionierlinie eines Lagers
Roboterarme greifen Kartons an einer automatisierten Kommissionierlinie – Bildmaterial von Symbotics Homepage. · Courtesy of Symbotic

Walmart zahlt, Symbotic verbucht

Walmart hat ein Jahrzehnt lang Milliarden in die Automatisierung der 200 US-Standorte seiner Lieferkette gesteckt, die 5.200 Filialen versorgen 6. Seit 2016 floss knapp eine weitere Milliarde Dollar in den Versuch, Online-Bestellungen auch innerhalb der Filialen zu automatisieren. Dabei kaufte Walmart 2023 das Robotikunternehmen Alert Innovation für 400 Millionen Dollar und verkaufte es im vergangenen Jahr für 200 Millionen Dollar an Symbotic 5.

Symbotics Auftragsbestand beläuft sich auf 22,5 Milliarden Dollar 78. Ein einziger Kunde macht 90,5 Prozent des Quartalsumsatzes aus 7. Walmart hält 12,6 Prozent am Roboterhersteller 5. Die Aktie hat in diesem Jahr rund 30 Prozent verloren 9.

Die Ziele wurden verpasst, die Reparaturen gehen weiter

Walmart verpasste die Automatisierungsziele, die es sich für Januar 2026 gesteckt hatte; bis August bekamen mehr als 65 Prozent der Filialen zumindest einen Teil ihrer Ware automatisiert geliefert, und mehr als die Hälfte des Warenbestands für den Online-Handel lief über automatisierte Systeme 6. Nach Unternehmensangaben sind jederzeit rund 5 Prozent der Roboter von Symbotic in Reparatur – im vergangenen Jahr lag die Quote noch unter 10 Prozent 5. Ein praxistaugliches Modell für den Einsatz in den Filialen wird frühestens 2028 erwartet 510.

Symbotics Umsatz stieg in drei Jahren um 84 % – das operative Ergebnis klammert sich weiterhin an die Nulllinie

  • Umsatz
  • Operatives Ergebnis
-$200M$0M$200M$400M$600M$800MQ4/23Q2/24Q4/24Q2/25Q4/25Q2/26$32.9MBilanzkorrektur im November 2024offengelegt
Data
UmsatzOperatives Ergebnis
Q3/23$391.89M-$53.93M
Q4/23$359.94M-$25.1M
Q1/24$393.33M-$64.89M
Q2/24$470.34M-$37.62M
Q3/24$564.57M$10.89M
Q4/24$486.69M-$22.97M
Q1/25$549.65M-$20.47M
Q2/25$592.12M-$25.8M
Q3/25$618.46M-$21.76M
Q4/25$629.99M$6.53M
Q1/26$676.48M$6.09M
Q2/26$720.84M$32.9M
Quartalsumsatz und operatives Ergebnis, in Millionen US-Dollar, Kalenderquartale; das Geschäftsjahr von Symbotic endet Ende September, das vierte Firmenquartal fällt daher ins dritte Kalenderquartal. Zahlen laut Einreichungen bei der US-Börsenaufsicht SEC, abgerufen am 10. Oktober 2026.11

Die Finanzzahlen unter der Oberfläche erzählen dieselbe Geschichte. Der Umsatz stieg in drei Jahren um 84 Prozent; das operative Ergebnis fiel in acht der vergangenen zwölf Quartale negativ aus 11.

Die Bullen-These trägt – doch darum geht es nicht

Der Umsatz im dritten Geschäftsquartal erreichte 721 Millionen Dollar, ein Plus von 22 Prozent, und das bereinigte EBITDA hat sich mehr als verdoppelt – auf 95 Millionen Dollar 12. „Automatisierung braucht Zeit, harte Arbeit und eine starke Partnerschaft, die von Vertrauen geprägt ist“, sagte Cohen in einer Mitteilung 5. „Wir wissen: Wenn wir warten, bis alles perfekt ist, dauert es zu lange“, sagte Rob Montgomery, Leiter des Lieferkettenbetriebs bei Walmart 5.

In derselben Woche eröffnete Walmart sein fünftes Fulfillment-Center der nächsten Generation: 900.000 Quadratfuß (rund 84.000 Quadratmeter) im kalifornischen Stockton 13. Needham behielt die Kaufempfehlung bei, senkte aber das Kursziel auf 60 Dollar – unter Einbeziehung von 5,8 Milliarden Dollar positiver Preisanpassungen im Auftragsbestand seit Ende 2022 9.

Nichts davon beantwortet, was die Gerichte fragen werden: nicht, ob die Roboter besser werden, sondern ob den Anlegern die Wahrheit über die 24 Monate gesagt wurde.

Jetzt zählen die Gerichte, nicht die Roboter

Im Blick zu behalten: die Verfahrensliste des Delaware Court of Chancery – der Name des Klägers steckt hinter einer Paywall, und bislang hat kein anderes Medium über die Klage berichtet 1. Die Beweisaufnahme (Discovery) in der Wertpapier-Sammelklage in Massachusetts, nachdem die Betrugsvorwürfe den Antrag auf Klageabweisung überstanden haben 2. SymMicro, das System für den Einsatz in den Filialen, das Symbotic voraussichtlich in rund sechs Monaten in Betrieb haben wird 13. Und Walmarts Ausgaben für die Automatisierung, die laut Unternehmen in diesem und im kommenden Jahr ihren Höchststand erreichen 5.

Wie auch immer die Verfahren laufen mögen, die Aufteilung steht bereits fest: Walmart zahlt die Stromrechnung, Symbotic verbucht den Auftragsbestand – und die Aktionäre tragen die Differenz.

Deepdive

AI-generated from this story and its cited sources. Not investment advice.

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