Städte kündigen Flock Safety – doch die Kameras bleiben am Mast; die Ersatzaufträge gehen an Axon

Der Stadtrat von Plymouth stimmte für die Kündigung von Flock – doch das Unternehmen reagierte nicht, also zog der Polizeichef die Stecker selbst. Kündigungen dauern länger, als die Schlagzeilen nahelegen, und das Geld für die Nachfolgelösungen fließt zu Axon.

Original lesen

Richard TangRichard Tang · 4 min read
Share
Eine Kamera zur Kennzeichenerfassung von Flock Safety mit Solarpanel an einem Strommast in einer Wohnstraße
1 / 6Slide 1 of 6
Eine Kamera von Flock Safety mit Solarpanel an einem Mast in einer Wohnstraße. Städte, die Flock kündigen, lassen die dem Anbieter gehörende Hardware oft an den Masten hängen – denn für den Abbau ist die Mitwirkung des Unternehmens nötig.

Immer mehr Städte beschließen, sich von Flock Safety zu trennen, dem in Atlanta ansässigen Überwachungsunternehmen mit einem Wert von mehr als 8 Mrd. Dollar 8 – schneller, als das Unternehmen sie gehen lässt. Die Ersatzverträge landen bei Axon+1.78% — Axon, up 1.78 percent today. Die Ausstiege verlaufen langsamer und chaotischer, als die Abstimmungen vermuten lassen. Und die Nachfrage nach Kennzeichenerfassung verschwindet nicht – sie wandert zu Axon.

Unser Artikel vom 21. Oktober hatte die Kündigungsbeschlüsse behandelt – dieser hier zeigt, was danach geschieht.

Die gekündigte Stadt musste die Stecker selbst ziehen

Der schärfste Fall ist Plymouth im Bundesstaat Michigan. Der Stadtrat beschloss am 22. September, die Flock-Kameras abzuschaffen. Am Morgen darauf sperrte die Polizeibehörde die Konten und sandte eine formelle Kündigung per Post 1. Flock hat die Kündigung nie bestätigt. Nach mehr als einer Woche Funkstille ließ Polizeichef Eric Fadden die Stromkabel abziehen, damit die firmeneigenen Kameras keine Kennzeichen mehr erfassen konnten. An den Masten hängen sie bis heute – ein Zeitplan für den Abbau fehlt.

Plymouth ist nicht der erste Kunde, dessen Ausgangstür von außen abgeschlossen ist. Das Elgin Community College im Bundesstaat Illinois meldete Flock im Oktober 2025, es wolle aussteigen; Flock lehnte das binnen eines Tages ab und baute die Kameras erst ab, als der Vertrag im April auslief 8. Auf Fragen von The Drive, wie Kündigungen eigentlich ablaufen sollen, antwortete das Unternehmen nicht 1. Eine Stadt kann das Abonnement beenden – doch die Hardware gehört dem Anbieter, der Ausstieg braucht also dessen Mitwirkung.

Die Käufer wussten nicht, wer ihre Daten las

In Lansing legte ein Stadtratsmitglied eine „Sharing Snapshot“-E-Mail von Flock für Juli vor, die belegt, dass die Kennzeichendaten der Stadt an 141 Organisationen gingen – nachdem Polizeichef Robert Backus dem Stadtrat im April zweimal versichert hatte, die Daten würden nicht geteilt 2. Die Behörde spricht inzwischen von „einer Änderung der Einstellungen“ 2. Flocks Standardarchitektur ist ein landesweites Austauschnetzwerk – und der Einblick einer Stadt darin ist begrenzter, als ihr Vertrag nahelegt.

Dazu kommt die Cornell University, die als letzte von fünf Flock-Kunden ihres Countys aussteigt 4 – und schon wirkt die Abwanderung breit. Breit genug, um dem installierten Bestand einen Dämpfer zu versetzen, ist sie dennoch nicht: Rund 120.000 Flock-Kameras sind landesweit im Einsatz, allein fast 900 davon in Iowa. Die mehr als 60 Organisationen, die seit Januar gekündigt haben, sind damit nur ein schmaler Anteil 3.

Die Nachfrage bleibt – sie wechselt nur den Anbieter

Die meisten Städte, die Flock den Rücken kehren, behalten die Kameras, nur eben unter anderem Namen. Reno hat gerade erst einen achtjährigen Axon-Vertrag über 21,8 Mio. Dollar gebilligt, der auch Kennzeichenerfassungskameras vorsieht 5, und der zehnjährige Axon-Deal von Cedar Rapids über 14,5 Mio. Dollar umfasst bereits 20 davon 3.

Die Ersatzverträge, die Axon gerade an Land zieht, reichen von 14,5 bis 153 Mio. Dollar

$0M$50M$100M$150M$200MReno$21.8MCedar Rapids$14.5MBaltimore$153M
Data
Value
Reno$21.8M
Cedar Rapids$14.5M
Baltimore$153M
Wert der Axon-Verträge mit Kennzeichenerfassungskameras, die Städte vergeben haben, die Flock verlassen haben oder gerade verlassen, in Mio. Dollar. Renos Vertrag läuft über acht Jahre, die von Cedar Rapids und Baltimore über je zehn. Quellen: The Nevada Independent [5], The Gazette [3], Technical.ly [10].5,3,10

Breckenridge im Bundesstaat Colorado wechselt von Flock zu Axon, obwohl das Axon-System pro Jahr mehr kostet – denn es behält die Daten innerhalb der Polizeibehörde, statt sie mit 67 anderen Behörden zu teilen 9. Dasselbe Kalkül zeigt sich in größeren Etats: Baltimores zehnjähriger Axon-Vertrag über 153 Mio. Dollar umfasst mehr als 200 Kennzeichenerfassungskameras, und Axon macht Daten standardmäßig nicht in einem landesweiten Netzwerk durchsuchbar 10.

Axons Umsatz wächst und wächst – während Flocks Kunden abwandern

0M500M1,000MQ3/24Q4/24Q1/25Q2/25Q3/25Q4/25Q1/26Q2/26904.39M
Data
Umsatz
Q3/24544.27M
Q4/24575.15M
Q1/25603.63M
Q2/25668.54M
Q3/25710.64M
Q4/25796.72M
Q1/26807.35M
Q2/26904.39M
Axons Quartalsumsatz in Mio. Dollar laut SEC-Unterlagen, drittes Quartal 2024 bis zweites Quartal 2026. Quelle: Axon-Quartalszahlen aus den SEC-Unterlagen, abgerufen am 25. Oktober 2026 [7].7

Was die beiden Fakten mit dem Preis machen

Für Flocks Eigentümer heißt das: Die Bewertung muss beides einpreisen – Kündigungen, die sich nicht sauber abwickeln lassen, und eigene Dokumente, die belegen, dass das Austauschnetzwerk weitreichender war, als den Käufern bewusst war. Für Anleger liest sich der Trend über die Axon-Aktie: Dieselbe Nachfragebasis, intakt, wachsend um die 35 Prozent 7 – und jetzt mit Verträgen, die den Städten die Daten überlassen. Die Gewinner dieses Backlash gegen Datenweitergabe ohne Zustimmung sind die Anbieter, die Eigentum und Kontrolle explizit regeln.

Städte, die bleiben wollen, halten solche Klauseln bereits schriftlich fest. North Liberty im Bundesstaat Iowa hat die Zahl der Behörden mit Zugriff auf seine Kennzeichendaten von 60 auf 28 gesenkt und die Speicherfrist von 30 auf 7 Tage verkürzt 3.

Wofür die Städte künftig nicht mehr zahlen – und wann die Hardware vom Mast kommt

Möglicherweise stellen die Städte die Zahlungen nicht für Flocks Kameras ein, sondern für dessen Austauschnetzwerk. Kündigen sie die Ersatzverträge ebenso wie zuvor in Reno den Flock-Vertrag, wird die Bewertung im Privatmarkt neu justiert; bleiben sie, wo der Datenaustausch enger gefasst wird, war die Abwanderung nur Rauschen. Das nächste ablesbare Signal: ob Städte, die kündigen, die Hardware überhaupt jemals von den Masten geholt bekommen.

Get Policy & Labor by email, free

The rules governments write for AI, and what AI does to jobs. In our daily email, every weekday.

Loading AXON…

Reader comments

0 comments

    More in Policy & Labor

    All in this topic →

    Policy & Labor

    Texas sues OpenAI and Sam Altman as it seeks $30 billion at a $1.25 trillion pre-money valuation

    Ken Paxton's October 23 suit is the tenth state case against OpenAI this year, filed as investors negotiate a $1.25 trillion price for a company that has already confidentially filed to go public. With no federal AI law, state attorneys general are writing OpenAI's enforcement record themselves.

    Policy & Labor

    Barclays names AI in 5,000 job cuts while total US layoffs fall 39%

    Barclays wrote AI into the stated reason for 5,000 job cuts this week, and the market has been paying for that framing all year. The firms that count layoffs say total announced US cuts are down 39% and the labor data shows no mass replacement.

    Policy & Labor

    Suno and Udio demand streaming data that could price a $9 billion AI music damages fight

    Suno and Udio moved to compel the Mechanical Licensing Collective to hand over label-by-label streaming data from eight services back to 2021, after the collective reversed course under objections from streaming platforms. What that record shows prices everything from a just-over-$9-billion damages ceiling to the royalty rates behind Udio's own licenses.

    Policy & Labor

    Reservoir Media sues Suno for $186 million and Anthropic for $151 million over AI music training

    The indie publisher filed on October 22 demanding the $150,000 statutory maximum per work, about $186 million from Suno and $151 million from Anthropic, weeks before Anthropic's expected November listing. Suno answered by subpoenaing the streaming data that would price AI music's damage to the whole market.

    Policy & Labor

    HHS banned Claude in March. Its October fix is a no-bid Anthropic award after a $1-a-year run

    A notice filed October 19 would keep the Department of Health and Human Services on Anthropic's Claude without competition, past the October 31 expiry of a $1-a-year government deal and seven months after President Trump ordered the model phased out of agencies. The price is undisclosed; the company may file IPO papers within days.

    Policy & Labor

    Brussels says KKR misled it to clear the $24.7 billion Telecom Italia network deal; KKR denies

    The European Commission's preliminary view is that KKR at least negligently supplied incorrect or misleading information to clear its €22 billion purchase of Telecom Italia's fixed network in 2024. If the view holds, EU rules allow a fine of up to 1% of worldwide turnover or even revocation of the clearance; KKR denies the allegations and the clearance stands for now.

    Get the newsletter

    The day's AI and market news, in your inbox every weekday.