Frankreich zahlt erstmals seit 2002 wieder mehr als fünf Prozent für zehnjährige Anleihen – während S&P Global die Note A+ vergibt
Moody's entscheidet heute Abend nach Börsenschluss in New York über Frankreich; erwartet wird eine Abstufung auf A1, auf Augenhöhe mit dem A+ von S&P Global. Der Anleihemarkt ist längst weiter gegangen: Er verlangt für französische Staatsschulden höhere Zinsen als für italienische, griechische und amerikanische – Renditen wie zuletzt 2002.
Vincent Jiang · 3 min read
Moody's entscheidet heute Abend – der Markt hat sein Urteil schon am Donnerstag gesprochen
Moody's−1.55% — Moody's, down 1.55 percent today veröffentlicht heute Abend um 20 Uhr GMT seine turnusmäßige Überprüfung Frankreichs 12. Die Agentur stuft das Land derzeit mit Aa3 ein, seit Oktober 2025 mit negativem Ausblick. Die meisten Analysten erwarten eine Herabstufung auf A1 – sie entspräche dem A+, das S&P Global−1.01% — S&P Global, down 1.01 percent today Frankreich bereits vergeben hat 12. Mit einer Abstufung zöge Moody's mit S&P und Fitch gleich, die schon früher abgesenkt hatten 1.
Der Anleihemarkt ging weiter – und schneller. Frankreichs zehnjährige OAT, der Benchmark unter den Staatsanleihen, schloss am Donnerstag bei 5,0799 Prozent: der höchste Stand seit 24 Jahren und der erste Schluss über der Fünf-Prozent-Marke seit Juli 2002. Der Abstand zum zehnjährigen deutschen Bund weitete sich auf 174 Basispunkte aus – der höchste Stand seit 2011 3.
Frankreich zahlt für zehnjährige Anleihen mehr als die USA
Data
| Value | |
|---|---|
| Frankreich (OAT) | 5.08% |
| USA (Treasury) | 5% |
| Deutschland (Bund) | 3.34% |
Frankreichs drei größte Banken – BNP Paribas, Société Générale und Crédit Agricole – verloren angesichts der Sorgen um die Staatsverschuldung zwischen 2,5 und 4,8 Prozent; der Bankenindex des Stoxx 600 gab um 3,49 Prozent nach 3.
Ein Unternehmen benotet die Schulden – und misst den Einbruch
Die Komplikation liegt in einem einzigen Unternehmen. S&P Global stuft Frankreich mit A+ ein 2. Zugleich erhebt S&P Global die Schnellschätzung des Einkaufsmanagerindex, und die zeigte am Freitag schrumpfende Geschäftstätigkeit in Frankreich. Der Gesamtindex, bei dem Werte unter 50 Punkten auf eine Schrumpfung hindeuten, sank von 51,1 Punkten im September auf 48,4 Punkte und verfehlte damit die von Ökonomen erwarteten 50,5 Punkte 5. Die Erwartungen der Unternehmen für das kommende Jahr fielen auf den tiefsten Stand seit sechseinhalb Jahren – verbunden mit dem Haushaltsstreit und der Wahl 2027 5.
Frankreich zahlt inzwischen mehr Zinsen für zehnjährige Anleihen als Italien, Griechenland und die USA – und dasselbe Unternehmen, das das Land mit A+ benotet, misst auch den Einbruch 34.
Dieselbe Agentur benotet auch den KI-Ausbau
Der von Meta−1.36% — Meta, down 1.36 percent today und Tesla−0.83% — Tesla, down 0.83 percent today angeführte Kursrutsch vom Donnerstag zog den Nasdaq um 2,2 Prozent nach unten. Infineon und ASM International verloren mehr als 6 Prozent 3. Drei Tage zuvor hatte Mark Habib, Leiter der digitalen Infrastruktur bei S&P, bei einer Diskussionsrunde in London gesagt: „Man kann davon ausgehen, dass es am Markt mehr (Schulden) gibt, als wir sehen“ 6.
S&P erwartet, dass Amazon−0.72% — Amazon, down 0.72 percent today, Microsoft+0.64% — Microsoft, up 0.64 percent today, Alphabet−0.98% — Alphabet, down 0.98 percent today, Oracle+0.29% — Oracle, up 0.29 percent today, Meta und SpaceX+1.86% — SpaceX, up 1.86 percent today bis 2030 mehr als 7 Billionen Dollar für KI ausgeben – mit negativem freien Cashflow mindestens bis 2027. Oracle hatte die Ratingagentur im Juli auf BBB- herabgestuft, eine „erhebliche Diskrepanz“, die breitere Herabstufungen erzwingen würde, sieht S&P gleichwohl nicht 67.
Wer zahlt, während die Ratings aufholen
Die Rechnung hinter dem A+ kann jeder nachrechnen: eine Bruttoverschuldung von 119 Prozent des BIP, ein Defizit von mehr als 5 Prozent ohne glaubhaften Plan, es abzubauen – und ein Haushalt 2027, dessen wichtigste Sparposten die Nationalversammlung bereits gestrichen hat 12. Nach Krawallen und mehr als 2.000 Festnahmen gelten in Paris und Lyon Ausgangssperren; für Samstag wurde erneut zu Protesten aufgerufen 18. Die Präsidentschaftswahl findet am 18. April und am 2. Mai 2027 in zwei Wahlgängen statt. Umfragen zufolge könnte sie die extreme Rechte gewinnen, angeführt von Marine Le Pen 18.
Entweder der Spread oder die Note ist falsch
Das Geschäft liegt in der Schere zwischen Note und Spread. Entweder ist ein Abstand von 174 Basispunkten zu groß für ein Land, das S&P mit A+ benotet und für das bei Moody's die Einstufung auf A1 erwartet wird – dann shortet man französische Anleihen gegenüber deutschen Bunds und Aktien französischer Banken in die Prüfungen der Agenturen hinein. Oder der Markt hat Frankreich bereits unter A eingepreist – dann sind die A-Noten der Agenturen das Geschäft.
Wo die Klippe darunter liegt, beschreibt Mike Bell von RBC BlueBay Asset Management: Wenn Moody's, S&P und Fitch Frankreich allesamt auf BBB herabstufen, werden Fonds mit Ratingvorgaben zu Zwangsverkäufern der Anleihen – „genau dann könnte es richtig hässlich werden“ 1.
Die nächsten Termine: die Proteste am Samstag, dann die EZB am 29. Oktober – Zinserhöhungen im Dezember sind bereits eingepreist 13. Moody's entscheidet heute Abend um 20 Uhr GMT 1.
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