Hyperscaler geben den Sockel vor, Infineon liefert, Renesas wartet bis Mitte 2027

Renesas kontert Infineons 800-Volt-Offensive mit dem branchenweit ersten Gehäuse aus Galliumnitrid (GaN) und zugesagtem Kapital in Kuala Lumpur. Das Rennen um die Stromversorgung der Racks hat endlich ein Lieferdatum – und die Käufer, die den Footprint definiert haben, geben die Bedingungen vor.

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Richard TangRichard Tang · 3 min read
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Ein geöffnetes Leistungshalbleitermodul zeigt Schaltdies, Bonddrähte und Kupferstromschienen in einem schwarzen Kunststoffgehäuse
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Im Innern eines Leistungshalbleitermoduls: Schaltdies und Bonddrähte reichen die Leistung von Wandlungsstufe zu Wandlungsstufe weiter. Renesas und Infineon wetteifern darum, Galliumnitrid und Siliziumkarbid in eben diese Sockel der 800-Volt-KI-Racks zu bringen.

Renesas hat heute seine Antwort vorgelegt: den branchenweit ersten 650-Volt-GaN-Schalter in einem beidseitig gekühlten Gehäuse im 8x8-mm-Format, 57 Prozent kleiner als der 10x15-mm-TOLT-Footprint. Er ist für den Wandler bestimmt, der aus 800 Volt DC die 48-, 12- und 6-Volt-Schienen eines Racks erzeugt. Die Kühlung über beide Gehäuseseiten erlaubt mehr Leistung auf dem knappen Leiterplattenplatz. Muster sind jetzt bei den Herstellern von KI-Rechenzentren, die Serienproduktion soll Mitte 2027 anlaufen. 1

Jede gestrichene Wandlungsstufe ist der Gewinn

Der Sockel, den Renesas anpeilt, wird ganz offen standardisiert: Google, Microsoft und Nvidia schreiben im Open Compute Project die Anforderungen für 800 Volt DC fest – bis hin zu einem Workstream, der Mittelspannung aus dem Netz unmittelbar in 800 Volt Gleichstrom umwandelt. 2 Jede Wandlungsstufe zwischen Netz und dem Chip, der mit weniger als einem Volt läuft, setzt Leistung in Wärme um. Deshalb verdrängen am Netzübergabepunkt Festkörpertransformatoren (Solid-State Transformer) auf Siliziumkarbid die herkömmlichen Transformatoren mit Eisenkern, während GaN im Rack die schnell schaltenden Stufen übernimmt. 3 Infineons Leistungselektronik-Chef Peter Wawer skizziert die Nachfrage: Racks mit rund 125 Kilowatt heute, als Nächstes 500 Kilowatt, dann ein Megawatt auf 800-VDC-Basis. 3

Rack-Leistung: von 125 Kilowatt Richtung Megawatt auf 800-VDC-Basis

  • Leistung je Rack
  • Estimate
0 kW500 kW1,000 kWHeutige RacksNächste GenerationMegawatt auf 800-VDC-Basis125 kW
Data
Leistung je Rack
Heutige Racks125 kW
Nächste Generation (estimate)500 kW
Megawatt auf 800-VDC-Basis (estimate)1,000 kW
Leistungsaufnahme eines einzelnen KI-Racks, in Kilowatt, skizziert von Peter Wawer, Leiter der Infineon-Sparte für Leistungselektronik. Werte jenseits heutiger Racks sind Nachfrageziele, keine Auslieferungen. Quelle: Semiconductor Engineering.3

Infineon beliefert bereits beide Enden

Die Rivalen wurden in derselben Woche aktiv. Am 29. September sagte Eaton zu, Infineons Siliziumkarbid für seine Mittelspannungs-Festkörpertransformatoren in der gesamten Region Asien-Pazifik zu beziehen – und streicht damit Wandlungsstufen zwischen Netz und Rack. 4 Am 28. September berichtete die Fachpresse im Detail über Infineons zweiphasige Leistungsstufen für Beschleuniger: 120 Ampere Dauerstrom und 300 Ampere Spitzenstrom, jetzt als Muster verfügbar, mit vertikaler Leistungszufuhr von unterhalb des Prozessors. 5 The Elec nennt Renesas, TI, Analog Devices und Monolithic Power als Verfolgerfeld. 5

Die Käufer haben das Footprint vorgegeben

Renesas preist einen Weg zu 800-Volt-Designs aus einer Hand an – doch die Regeln machen die Kunden. Das Unternehmen erklärte, das neue Footprint sei gemeinsam mit großen KI-Infrastruktur-Kunden definiert worden – mit Blick auf Beschaffungsflexibilität, sodass jeder qualifizierte Anbieter den Sockel besetzen kann, den die Käufer spezifiziert haben. 1 Die offene OCP-Spezifikation zieht in dieselbe Richtung: Equipment nach einem gemeinsamen Standard gebaut, wie Server. 2 Austauschbarkeit deckelt, was irgendein Lieferant verlangen kann – und diesen Vorteil streichen die Hyperscaler und ODMs ein, egal wer den Sockel gewinnt.

Renesas-Aktionäre finanzieren das Warten

Das zugesagte Kapital stammt von Renesas – und es ist das einzige zugesagte Kapital in dieser Geschichte. Am 29. September erklärte Tee Kean Soon, Geschäftsführer von Renesas Semiconductor KL, das Werk in Malaysia werde innerhalb von zwei Jahren mit 700 Millionen Ringgit die Fertigung von KI-Produkten erkunden – rund 170 Millionen Dollar bei einem Wechselkurs von 4,1 Ringgit je Dollar. Eine Angabe, die in der englischsprachigen Berichterstattung bislang nicht aufgetaucht ist. 67 Der Fertigungschef von Renesas nutzte dieselbe Veranstaltung, um auf Dunkelproduktion („Light-off“) mit minimalem Personaleinsatz zu verweisen. 6 Infineons Vorsprung ist teilweise eingepreist: Die Aktie hat in diesem Jahr 54 Prozent zugelegt, notiert aber mehr als ein Drittel unter ihrem Junihoch; Bernstein hält sie auf „Outperform“, Morgan Stanley senkte die Einstufung auf „Equalweight“ wegen des begrenzten Potenzials bei der KI-Stromversorgung. 8

Oktober und Mitte 2027 sind die Prüfdaten

Bis zu dieser Woche war das 800-Volt-Geschäft eine reine Stimmungssache. Seit heute hat es ein Datum und eine Summe – und ist damit prüfbar: Renesas zeigt die Bauteile vom 12. bis 15. Oktober auf dem OCP Global Summit in San José, wo sich dieses Ökosystem trifft. 1 Ob der Termin Mitte 2027 hält, entscheidet sich an einem Glied: der Qualifizierung durch die ODMs. Hält er, gewinnt Renesas einen Sockel, den die Käufer bewusst für Wettbewerber offen gehalten haben; bis dahin verbucht Infineon die Positionen, in denen heute geliefert wird. Jedes bei der Wandlung eingesparte Watt fließt in die Kosten eines Tokens – und genau deshalb entscheiden diese unscheinbare Ebene und die malaysischen Fertigungslinien, die auf Dunkelproduktion zusteuern, wer vom KI-Ausbau profitiert.

Deepdive

AI-generated from this story and its cited sources. Not investment advice.

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