PG&E schaltet womöglich 70.000 Kunden ab – Ermittler verknüpften den Tod eines Gründers mit einem nie ausgetauschten Draht

Ein durchgerosteter Bindedraht (tie wire) tötete 2022 den Agrartech-Gründer Steven Dodge – nachdem PG&Es eigene Inspektoren denselben Defekt an nahegelegenen Masten bereits dokumentiert hatten. Diese Akte liegt nun in den Unterlagen, die die Regulierer lesen, bevor sie entscheiden, was Stromkunden für PG&Es geschrumpftes Erdverkabelungsprogramm zurückzahlen – für jenes Netz, in dessen Warteschlange Kaliforniens Rechenzentren bereits stehen.

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Richard TangRichard Tang · 4 min read
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Hochspannungsmasten und -leitungen von PG&E über trockenem Grasland an der Interstate 505 in Kalifornien
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Hochspannungsleitungen von PG&E über trockenem Grasland entlang der Interstate 505 in Kalifornien. Die Freileitungen sind es, die der Versorger stromlos schaltet, wenn Wind sie gefährlich macht – und die sein Erdverkabelungsplan nach und nach ersetzen würde.

Pacific Gas and Electric−1.88% — Pacific Gas and Electric, down 1.88 percent today, Kaliforniens größter Stromversorger, muss von diesem Abend bis Samstag womöglich rund 70.000 Kunden den Strom abschalten, weil vorhergesagte Winde es zu gefährlich machen, die Freileitungen unter Spannung zu halten 1. In derselben Woche wuchs die Sicherheitsakte, die diese Abschaltungen erklärt, um zwei Einträge. Staatliche Ermittler führten den Tod eines Firmengründers aus dem Jahr 2022 auf Wartungsmängel zurück, die PG&Es eigene Inspektoren Jahre zuvor dokumentiert hatten 2. Zudem reichte der Versorger einen Zehnjahresplan ein, der rund 7.000 der 10.000 Meilen unter die Erde bringt, die er nach dem Waldbrand „Dixie Fire“ 2021 zugesagt hatte 3.

Der tödliche Draht stand längst in den Akten

Steven Dodge war 34 und Mitgründer von Acuity Agriculture, einem Agrartech-Start-up, das Fernüberwachungstechnik für Landwirte entwickelt, als er auf einem Hof bei King City im Monterey County getötet wurde 2. Der Bindedraht, der eine 12.000-Volt-Leitung an ihrem Isolator hielt, war durchgerostet; die herabstürzende Leitung traf Dodge, während er auf einer erhöhten Plattform einer Bewässerungsanlage Fernüberwachungsgeräte testete 2. Die staatlichen Ermittler machten PG&E dafür verantwortlich, diesen Draht nie ordnungsgemäß ersetzt oder verstärkt zu haben – Jahre, nachdem eigene Inspektoren denselben Rostschaden an zwei Masten in der Nähe dokumentiert hatten 2. Ein Bußgeld folgte nicht, und die Schadensersatzklage seiner Witwe wurde in einem privaten Vergleich beigelegt 2.

Immer wieder legte derselbe Defekt den Bundesstaat in Flammen

Defekte Bindedrähte hatten vor Dodges Tod bereits mindestens zwei Waldbrände ausgelöst, einen bei King City und einen im Kern County 2. In diesem Jahr beanstandeten die Aufsichtsbehörden zudem lockere Bindedrähte bei PG&E; der Konzern einigte sich mit der kalifornischen Regulierungsbehörde California Public Utilities Commission (CPUC) auf einen Vergleich über 22 Millionen Dollar 2. Die Kommission billigte diese Strafe im August wegen des Waldbrands „Mosquito Fire“ von 2022 und stellte Verstöße bei Planung, Bau und Wartung fest, die PG&E bestritt 4. Loretta Lynch, ehemalige Präsidentin der Kommission, nennt den Umgang der Behörde mit diesen Defekten „eine klare Pflichtverletzung“ 2.

Erdverkabelung bringt Rendite, ein nachgezogener Draht nicht

Vermutlich erklärt das Geld, warum die Erdverkabelung finanziert wurde und die Reparatur der Bindedrähte nicht. Unter der kalifornischen Tarifregulierung verdient PG&E eine Rendite auf das Kapital, das der Staat für unterirdisch verlegte Leitungen genehmigt; ein nachgezogener Draht gilt dagegen als Wartung, schlicht als Aufwand 5. Der eingereichte Plan weist sogar die eingesparte Wartung als Nutzen aus, rund 6 Milliarden Dollar 3.

Das Versprechen schrumpfte in derselben Woche, in der die Sicherheitsakte bekannt wurde

Der Plan, den der Versorger am 30. September bei der Energiesicherheitsbehörde des Bundesstaates eingereicht hat, sieht bis Ende 2027 rund 1.900 Meilen Erdverkabelung vor 35. Von 2028 bis 2037 kommen 5.000 weitere Meilen hinzu; den Rest des ursprünglichen Versprechens erfüllen stärkere Masten und isolierte Leitungen 5. PG&E nennt das „keine Kürzung“ und beziffert den langfristigen Nutzen des Plans auf 117 Milliarden Dollar 3. Mark Toney von der Verbraucherorganisation TURN lobte die Kürzung, schließlich sei es „extrem teuer, Leitungen zu erdverkabeln“ 6.

PG&Es eingereichter Plan erdverkabelt rund 7.000 der versprochenen 10.000 Meilen

02,0004,0006,0008,00010,000Nach Dixie Fire versprochen (2021)10,000Erdverkabelt bis Ende 20271,900Geplant 2028–20375,000Den Rest des Versprechens erfüllen Masten und Isolierung
Data
Value
Nach Dixie Fire versprochen (2021)10,000
Erdverkabelt bis Ende 20271,900
Geplant 2028–20375,000
Leitungsmeilen im Verteilnetz: das Versprechen von 2021 im Vergleich zum Zehnjahresplan, den PG&E am 30. September 2026 beim California Office of Energy Infrastructure Safety eingereicht hat und der nun zur Genehmigung ansteht.3,5

Auch die Rechenzentren warten auf dieselben Masten

PG&E meldet Anschlussanfragen von Rechenzentren im Umfang von 12,7 Gigawatt – ein Wachstum, wie es das Stromnetz nach Worten von Konzernchefin Patti Poppe seit Jahrzehnten nicht gesehen hat 7. Die Reform der Waldbrandhaftung, für die das Parlament zwei Jahre brauchte, blieb unzureichend. Die Ratingagentur Fitch hat Berichten zufolge ihren Ausblick für PG&E auf negativ gesenkt. Und der Versorger kürzte seine geplanten Investitionen für 2027 um rund 2 Milliarden Dollar 7.

Der Druck hinter dieser Kürzung zeigt sich in den Quartalszahlen: In zehn der vergangenen zwölf Quartale lagen die Investitionen über dem operativen Cashflow 8. Die Lücke schließt PG&E mit Krediten, deren Mehrkosten die Kunden bereits bezahlt haben – rund 600 Millionen Dollar in zwei Jahren 7. Die Aktie ist in diesem Jahr um rund ein Viertel gefallen 7.

Netzinvestitionen über dem operativen Cashflow in zehn der letzten zwölf Quartale

  • Investitionen
  • Operativer Cashflow
$0B$1B$2B$3B$4BQ4/23Q2/24Q4/24Q2/25Q4/25Q2/26$2.97B
Data
InvestitionenOperativer Cashflow
Q3/23$2.42B$1.81B
Q4/23$2.61B$0.48B
Q1/24$2.64B$2.26B
Q2/24$2.3B$0.71B
Q3/24$2.61B$3.13B
Q4/24$2.83B$1.93B
Q1/25$2.64B$2.85B
Q2/25$3.07B$1.06B
Q3/25$2.93B$2.85B
Q4/25$3.16B$1.96B
Q1/26$3.36B$2.43B
Q2/26$2.97B$0.91B
Investitionen und operativer Cashflow je Quartal, PG&E Corporation, Q3 2023 bis Q2 2026, laut Unterlagen an die US-Börsenaufsicht SEC.8

Sogar die Stromabschaltung zielt per Software

Die Abschaltung dieser Woche wird per maschinellem Lernen eingegrenzt: Neue Modellierungswerkzeuge, so PG&E, „erlauben uns, bei der Eingrenzung chirurgischer vorzugehen“; Windböenmodelle, gerechnet auf Ebene einzelner Wetterstationen, füllen die Lücken zwischen gröberen Vorhersagen 1. Der Versorger setzt also KI ein, um eine Stromabschaltung gezielt zu steuern, die nur nötig ist, weil er die Hardware nicht gewartet hat. Kommen die Kabel langsamer, kommen auch die Anschlüsse langsamer – jene, die in der 12,7-Gigawatt-Warteschlange warten.

Zwei Prüfungen bestimmen den Preis

Der weitere Ablauf steht fest: Zuerst prüft die Energiesicherheitsbehörde des Bundesstaates den Plan, anschließend entscheidet die CPUC unter Vorbehalt, was die Stromkunden zurückzahlen 5. Die Energiebehörden des Bundesstaates haben die Versorger bereits angewiesen, das Brandrisiko der Bindedrähte zu bewerten 2. Und der Vergleich im Fall Mosquito Fire zeigt, welches Instrument die Kommission immerhin schon einmal eingesetzt hat: eine unabhängige Überprüfung der Inspektionspraxis von PG&E, bezahlt aus der Strafe 4. Für jeden, der Rechenleistung in Kalifornien finanziert, ist die Entscheidung der CPUC der Zeitplan, auf den es ankommt – samt der Frage, ob sie die Rückzahlung nicht nur an erdverlegte Meilen, sondern auch an Wartungsnachweise knüpft.

Deepdive

AI-generated from this story and its cited sources. Not investment advice.

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